Ohne geht es auch

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Oje, wir sind keine Hipster-Eltern! Ob unser Kind wohl trotzdem groß werden wird?! Wir haben keinen Bugaboo, keine limitierte Andy-Warhol-Edition, keinen sündhaft teuren Joolz, keinen Tripp Trapp und auch keine Hasenlampe im Kinderzimmer. Unsere Wohnung ist nicht im skandinavisch schlichten Einheitslook eingerichtet und es ist so gut wie nie aufgeräumt. Wir haben einen gebrauchten Kinderwagen für 50 Euro gekauft. Der No Name Hochstuhl war sogar ganz umsonst.

Statt überteuerter Designerstücke gibt es bei uns einen wilden Mix aus den Möbeln meiner erster Wohnung und den Möbeln meines Mannes. Wir haben fast nichts neu gekauft, als wir vor über einem Jahr in unsere erste gemeinsame Wohnung gezogen sind. Unsere Tochter spielt mit Spielsachen, die teilweise noch aus meinen Kindheitstagen übrig geblieben sind. Dafür ist unsere Tochter sehr frei darin, die Wohnung und die Welt zu entdecken. Es kann ja nicht viel kaputt gehen. Und wenn, dann ist es nicht weiter dramatisch – war schließlich nicht teuer.

Ich muss allerdings zugeben, dass es gar nicht so einfach war, mich mit diesem wilden Stilmix anzufreunden, wenn man medial von allen Seiten mit strahlend weißen und immer ordentlichen Wohnungen bombardiert wird. Aber es geht auch anders und mit viel Liebe!

DIY: Bruchschokolade

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Wir waren gestern zum Frühstück eingeladen und vor lauter Kind ist mir zum Glück gerade noch rechtzeitig eingefallen, dass wir eine Kleinigkeit mitbringen sollten. Praktischerweise kam die Inspiration zu dem Mitbringsel genau zum richtigen Zeitpunkt Samstagmittag in Rachel Khoos Sendung „London in meiner Küche“: Bruchschokolade.

Die kann man ganz einfach selber machen und sieht hübscher aus, als einfach eine gekaufte Tafel Schokolade zu verschenken. Ich habe dazu Zartbitter- und Vollmilchschokolade über dem Wasserbad geschmolzen, alles in eine mit Backpapier ausgelegte Auflaufform gegossen und dann gesalzene Nüsse und Cranberries darauf verteilt. Anschließend das Ganze einfach in den Kühlschrank stellen, am besten über Nacht. Am nächsten Tag kann man die Schokolade ganz einfach in Stücke brechen und in hübsche Tütchen verpacken.

Je mehr Kakaoanteil in der Schokolade, desto weniger cremig wird sie und lässt sich dann auch einfacher brechen. Das gilt auch, je weniger Schokolade man nimmt, dann wird die Bruchschokolade nicht so dick. Aber das ist Geschmackssache. Genau wie die Zutaten, die man auf der Schokolade verteilt. Ich experimentiere bestimmt noch ein paar Mal.

Auszeit

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Ich laufe nervös durch die Wohnung. Erholung? Brauche ich nicht. Endlich mal schlafen? Fehlanzeige. Irgendwas ist anders. Hier stimmt doch was nicht.

Papa ist schon seit drei Stunden mit dem Kind unterwegs. Die Großeltern besuchen. Ob wohl alles in Ordnung ist? Vielleicht ist ihnen etwas passiert. Sie sind schon so lang weg. Seit DREI Stunden. Hm, was mache ich nur?! Mich ablenken. Mal schnell ein paar Sachen erledigen. Bügeln, was für ein ungewohntes Gefühl. Einkaufen. Warten. Hm, noch mal einkaufen. Jetzt rufe ich aber mal an. Mist, keiner geht ran. Okay, weiter ablenken. Aufräumen. Juhu, das Telefon klingelt. Mein Mann fragt, ob es in Ordnung ist, wenn sie noch zur Uroma fahren. Nele hat schon geschlafen und gerade gegessen. Ich soll mir doch Sushi bestellen oder so. Es dauert bestimmt noch zwei, drei Stunden.

Für einen kurzen Moment frage ich mich, ob ich als Mutter überhaupt noch gebraucht werde. Die kommen wohl ganz gut ohne mich klar. So viele Stunden. Fühlt sich komisch an. Kann mich nicht dran erinnern, dass ich seit der Geburt mal so lange von meinem Kind getrennt war. Oder ich habe die wenigen Male vergessen, vor Müdigkeit. Das kann sein. Na gut, dann lege ich jetzt eben mal die Füße hoch. Ha, fühlt sich an wie Urlaub am Meer. Endlich mal Auszeit.

Und sonst so? Rachel Khoo!

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Eine meiner liebsten Beschäftigungen, wenn Nele Mittagsschlaf macht: Rachel Khoo schauen. Als Nele noch sehr viel kleiner war, habe ich Stunden und Tage damit verbracht, mit ihr auf dem Arm im Schaukelstuhl zu sitzen. Das Kinderzimmer hatte ich vom Schaukelstuhl aus bald zur Genüge studiert, da haben mich Pinterest und Instagram durch den Tag gerettet, während Nele ihn auf mir liegend verschlafen hat.

Nele wurde größer und schwerer. Und anspruchsvoller. Einfach so schlafen war nicht mehr drin (…also aus Neles Sicht, ich ja eh nicht – als Mutter braucht man nämlich keinen Schlaf). Stattdessen wirkte es umso beruhigender auf sie, je mehr ich in Bewegung war. Mit ihr auf dem Arm selbstverständlich. Allerdings hatte ich so keine Hände mehr frei und war ja eh ständig in Action. Die Schwangerschaftskilos bin ich auf diese Weise rasend schnell losgeworden (viel zu schnell und außerdem auch noch zu viele). Ich bin wochenlang zu nicht sehr viel gekommen.

Seit ein paar Wochen schläft Nele (während des Tages) endlich regelmäßiger und ich nehme tagsüber oft eine Tragehilfe, damit ich mal für einen Moment die Hände frei habe.
Oft blättere ich dann durch Magazine, beantworte ein paar Mails, oder schaue Rachel Khoo. Zur regulären Sendezeit Samstagmittag auf Sixx klappt es selten, aber in solchen Fällen gibt es ja die passende App. Ich mag die Sendung, weil sie so bunt ist und weil es immer noch um anderes geht, als einfach nur kochen. Die Rezepte im TV und online stimmen manchmal nicht so ganz überein, aber das stört mich nicht weiter. So ist das eben im Leben, es läuft nicht immer alles perfekt.

Happy Family

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Man stellt sich einmal folgende Szene vor: Mutter und Vater sitzen hübsch zurecht gemacht in hellen Gewändern im weiß bezogenen Ehebett, ihre drei Kinder – das jüngste ist noch ein Baby – turnen friedlich mit perfekt aufeinander abgestimmten, fleckenfreien Klamotten um sie herum. Alle sehen ausgeschlafen, zufrieden und erholt aus, Streit gibt es in dieser Familie nie, schlechte Laune schon dreimal nicht und die Kinder kleckern und krümeln in keinem Alter. Natürlich scheint auch noch die Sonne und das Sonnenlicht lässt die gesamte Familie erstrahlen und butterweich aussehen.

HALLO?!?! Wo ist das denn bitte Realität? Eigentlich ist es doch eher so:
Das Elternbett ist mit den unterschiedlichsten Kissen- und Bettdeckenbezügen in irritierendem Mustermix bezogen. Mama hatte keine Zeit, sich die Haare zu waschen und sitzt in Wohlfühlklamotten auf der Bettkante, während es sich die Hunde mitten im Bett bequem gemacht haben. Das Baby brüllt und hat erst recht keine Lust, sich auf dem Arm ruhig zu verhalten. Papas Schlaf-Shirt, das er noch trägt obwohl es schon Mittag ist, hat am Rücken noch Spuren von Babykotze und auf ein Familien-Shooting hat er sowieso keinen Bock. Die Laune sinkt. Alle sind genervt und möchten sich bei dem Gedanken an die weichgespülte Familie (ganz oben genannt) übergeben.

Okay, davon trifft nicht alles zu, aber Letzteres liegt deutlich näher an der Realität, als das einleitend genannte Beispiel. Von solchen Bilder, die einem im Netz zahlreich begegnen, bekommt frau doch sofort schlechte Laune, oder nicht? Wie soll man es je schaffen, dass alles tipptopp aufgeräumt ist, trotz Baby alle nachts ausreichend schlafen und sich das Kind am besten ab Geburt nur über der Toilette übergibt? Nein, danke, da lebe ich doch lieber glücklich in der Realität.

Ah, ein Entwicklungsschub

Oje, ich wachse!

„Das kann doch nicht wahr sein!“, „Ich will doch bitte einfach nur schlafen!“, „Kann ich nicht einfach mal in Ruhe kochen?!“, „Oh man, ich komme einfach zu überhaupt nix!“, all diese meist leicht aggressiv formulierten Ausrufe meinerseits, sind in 99% der Fälle ein sehr sicheres Anzeichen dafür, dass Nele sich kurz vor oder schon mitten in ihrem nächsten Entwicklungsschub befindet.

Hä? Entwicklungsschub? Ich war total fasziniert, als meine Hebamme mir bei einem Nachsorgetermin ein paar Tage nach Neles Geburt davon erzählte. Allerdings habe ich es vor lauter Erstaunen versäumt, mir die für jedes Kind gültigen Zeitfenster für die Entwicklungsphasen zu notieren. Jedes Mal, wenn Nele wieder tagelang scheinbar grundlos weinerlich war, viel brüllte und jammerte, wieder sehr, sehr anhänglich war und nachts wieder öfter (für meinen Geschmack viel zu oft) wach wurde, überlegten wir, was nur mit unserem Kind los sein könnte. Meistens fiel uns nichts ein, was wir großartig im Tagesablauf verändert hätten, also kamen wir immer wieder zu dem Ergebnis, das muss wohl mal wieder so ein Entwicklungsschub sein.

Als eine der letzten Mütter, von all den Müttern, die ich kenne, ist mir dann das Buch „Oje, ich wachse!“ von Hetty van de Rijt und Frans X. Plooij in die Hände gefallen. Tja, was soll ich sagen? Meine Bibel! Ich liebe dieses Buch! Immer wenn ich mich zu dem anstehenden Entwicklungsschub (einer von zehn in den ersten 20 Lebensmonaten) einlese, nicke ich fast fortlaufend mit dem Kopf, weil mir die darin beschriebenen Anzeichen äußerst bekannt vorkommen. Ich bin erleichtert, weil andere Eltern mit genau den gleichen Problemen zu kämpfen haben. Und immer, wirklich immer, bin ich 100% verständnisvoller wenn ich das Buch zuklappe. Der liebevolle Umgang mit diesen schwierigen Phasen, ist so viel einfacher, wenn man weiß, was das Kind gerade durchmacht. Ich kann dann einfach für Nele da sein, ihr zeigen, dass ich ihr die Unsicherheit während eines Schubs zwar nicht nehmen, aber mit ihr durchstehen kann. Und am Ende hat sie wieder etwas tolles dazugelernt und wir genießen die Wochen vor dem nächsten Entwicklungsschub.

Los geht’s!

Kinderzimmerchaos

Fast acht Monate hat es gedauert das alltägliche Chaos anzunehmen und in ersten Anfängen tatsächlichen von ganzem Herzen und besonders mit voller Aufmerksamkeit Mama zu sein. Acht Monate voll schlafloser Nächte, Gefühlschaos, ungebügelter Wäscheberge, Unsicherheit, Erziehungsfragen, Hundehaaren auf der Couch, Liebe, zu wenig Zeit, mitreißendem Kinderlachen, Terminen, Wut, scheinbar grundloser Trauer und Verzweiflung. Die ersten Monate nach Neles Geburt im Januar habe ich mich so oft gefragt, warum mir keiner erzählt hat, dass sich nach diesem freudigen Ereignis (das in meinem Fall in einem nicht so erfreulichen Notkaiserschnitt endete) erstmal die Baby-Hölle auftut. Und ich möchte sogar meinen, dass wir ein durchschnittlich gut schlafendes Kind haben, das sich bestens entwickelt. Trotzdem waren die Nächte – und somit auch irgendwie die Tage – in den ersten Wochen alles andere als erfreulich. Ich war einfach nur müde und bin das oft auch heute noch. Die Erleichterung kam dann mit einer Mail, die ich in einem Moment purer Verzweiflung und völliger Übermüdung an eine andere Mama geschickt habe. Der Betreff lautete: „Mama am Limit“. Aus der Antwort-Mail, die ich bekam, sprach pure Erleichterung und Zustimmung. Es war so, als müsste sich nur mal einer trauen, die nicht so schönen Dinge auszusprechen und es wurde klar, ich bin nicht allein. Auch bei anderen Mamas und Papas läuft nicht alles superduper puderrosa und himmelblau. Das zu wissen, war die reinste Wohltat – nicht weil ich es ihnen nicht gönnen würde, sondern weil Austausch auf gleicher Ebene einfach so hilfreich und wohltuend ist.

Der Wille vorgeburtliche Freizeitbeschäftigungen und Rituale in das Mama-Dasein mitzunehmen war groß, übrig geblieben ist davon letztendlich aber nicht viel. Es wird nun also höchste Zeit für mehr Gelassenheit als Mutter und ein paar mehr dieser kleinen Strohhalme, an die ich mich klammere und die mich daran erinnern, dass ich eben nicht nur Mama, sondern auch Frau bin. Ich blogge, weil es mir Spaß macht und weil ich währenddessen ein paar Minuten Pause vom Vollzeit-Mama-Dasein einlegen kann. Ich möchte mich (noch) nicht auf Regelmäßigkeiten festlegen, denn meine Tochter braucht mich oft und dabei verfolgt sie keinen festen Zeitplan. Chaoshochzehn ist hauptsächlich eine Erinnerung an mich selbst, dass nicht immer alles perfekt sein muss. Lebewohl Perfektionismus, ab jetzt von Herzen unperfekt – los geht’s!